Ernst Dieckmanns und das Autonome Fahren

Autonomes Fahren ist die Zukunft, da sind sich die Autohersteller heute einig. Dabei ist diese Technik so neu eigentlich nicht: Schon in den 1980er und 90er Jahren forschte bereits ein Team unter der Leitung von Ernst Dieckmanns an der Universität der Bundeswehr in München zu diesem Thema. Ein satellitengestütztes Navigationssystem existierte damals noch nicht, und Computer besaßen nur einen Bruchteil heutiger Rechenkapazitäten. Stattdessen basierte die von Dieckmanns entwickelte Technik auf visuellen Informationen – und auf einem Computernetzwerk, das den gesamten Kofferraum des Wagens ausfüllte.

 

Vom Weltraum auf die Erde

Dieckmanns hatte Luft- und Raumfahrttechnik in Aachen und Princeton studiert, für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie für die NASA gearbeitet. Dabei beschäftigte er sich auch schon mit der digitalen Verarbeitung von Luft- und Satellitenaufnahmen. Als er nach neuen Herausforderungen suchte, bot ihm die neu gegründete Bundeswehr-Universität eine Stelle an – und Dieckmanns wählt das Forschungsthema „Sehende Fahrzeuge“.

Pionier des Roboterautos

Mit seiner Forschungsgruppe entwickelte Dieckmanns ein „Versuchsfahrzeug für autonome Mobilität und Rechnersehen“, kurz VaMoRs. Die Basis bildete ein Mercedes-Benz D508-Kastenwagen. Zunächst fuhr man den Testwagen noch auf einem stillgelegten Flugplatz, später dann auch im öffentlichen Verkehr. Dieckmanns Ansatzpunkt: Daten über die Umgebung sollten nicht vollständig erfasst und verarbeitet werden, das hätte die Abläufe verlangsamt. Stattdessen konzentriert man sich auf relevante Bildausschnitte und trifft anhand dieser Vorhersagen über den Streckenverlauf; so fallen nur geringe Datenmengen an.

Erfolgreiche Prototypen, die nie in Serie gehen

Bald arbeitete Dieckmanns eng mit der Forschungsabteilung von Daimler-Benz zusammen, die europäische Forschungsorganisation EUREKA finanzierte das Projekt – das beachtliche Ergebnisse erzielte: 1994 fuhren Versuchsfahrzeuge auf Autobahnen bis nach Paris, ein Jahr später von München nach Kopenhagen. Dabei fuhren die Wagen autonom, führten eigenhändig Spurwechsel und Überholmanöver durch. Lediglich an Autobahnkreuzen und bei Baustellen, also in komplexen Situationen, übernahm sicherheitshalber der Fahrer das Steuer. Trotz dieser Erfolge wurde die Zusammenarbeit 1996 beendet und das Forschungsauto landete im Deutschen Museum in München. Für zu teuer und unzuverlässig hielten die Autohersteller das Modell, auch bezweifelte man, dass sich Kunden für dieses Fahrzeug interessieren würden. Heute wünschen sich Manager in der Autobranche sicherlich, dass man vor 30 Jahren etwas mutiger gewesen wäre.

Ein Video zeigt, wie der VaMoRs-Mercedes funktioniert (auf Englisch).

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