Im TECHNOSEUM entdeckt: Die Taschenflasche „Dr. Dettweiler“

Lungentuberkulose zählt auch heute noch zu den gefährlichsten Krankheiten. Sie fordert jährlich über eine Million Todesopfer. Mit dem „blauen Heinrich“ wurden Ende des 19. Jahrhunderts neue hygienische Standards im Kampf gegen die gefürchtete Lungenkrankheit gesetzt.

Frischluftkur für geplagte Lungen
Vor allem unter den städtischen Armen waren im 19. und frühen 20. Jahrhundert die meisten Tuberkulose-Toten zu beklagen. Um 1880 war jeder zweite Todesfall in Deutschland in der Gruppe der 15- bis 40-Jährigen auf die gefährliche bakterielle Infektionskrankheit zurückzuführen. Um weitere Ansteckungen in der Bevölkerung zu vermeiden und die Infizierten zu behandeln, wurden so genannte Tuberkulose-Sanatorien eröffnet. Weltweiten Ruhm erhielt die „Freiluftliegekur“ von Dr. Peter Dettweiler, der diese 1876 als Leiter der Lungenheilanstalt Falkenstein im Taunus eingeführt hatte: Die Patienten verbrachten dabei täglich bis zu 10 Stunden eingewickelt in dicke Decken und liegend unter freiem Himmel – bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit!

Hygienisch spucken
Dettweiler fragte sich, wie man mit dem infektiösen Material, das die Patienten häufig auf den Boden oder in ein Taschentuch ausspuckten, bei der hohen Ansteckungsgefahr am besten umgehen sollte. So kam es zur Entwicklung der Taschenspuckflasche, die er 1889 – wenige Jahre nachdem Robert Koch 1882 zum ersten Mal das Bakterium Mycobacterium tuberculosis, das Tuberkulosebakterium, beschrieben hatte ­– auf dem 8. Kongress für Innere Medizin in Wiesbaden vorstellte und damit einen neuen hygienischen Standard setzte.

„Blauer Heinrich“
Das eiförmige Gefäß, das im TECHNOSEUM zu sehen ist, ist aus kobaltblauem Glas gefertigt und mit einem Sprungdeckel aus Metall sowie einem abschraubbaren Metallfuß versehen. Auf dem Glas ist deutlich der Schriftzug „Dr. Dettweiler“, auf der Unterseite des Fußes die Produktbezeichnung „Geheimrath Dr. Dettweiler´s Taschenflasche für Hustende“ zu erkennen. Der an Tuberkulose erkrankte Patient hustete in die Flasche, so dass das infektiöse Sputum über einen Trichter in das Innere der Flasche gelangte und über den Schraubverschluss am Fuß mit einem Desinfektionsmittel ausgespült und hygienisch wieder entleert werden konnte. Transparent genug, um den Füllgrad der Flasche zu erkennen, sorgte die blaue Färbung auch dafür, dass der Inhalt nicht zu deutlich zu sehen war. Mit größter Wahrscheinlichkeit hatte die Flasche ihren Beinamen „Blauer Heinrich“ schließlich auch dem getönten Glas zu verdanken. Die Fläschchen, die damals für 1,50 Mark verkauft wurden, fanden reißenden Absatz:  Alle Lungenheilstätten Deutschlands und der Schweiz setzten sie bei ihren Patienten ein.

 

 

Wo im TECHNOSEUM?

In der aktuellen Sonderausstellung „Herzblut – Geschichte und Zukunft der Medizintechnik“ vom 5. November 2014 bis 7. Juni 2015.

Blauer Heinrich / Herzblut
Der "Blaue Heinrich" wurde im Kampf gegen die ansteckende Lungentuberkoluse eingesetzt.
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