Rudolf Diesel und der Dieselmotor

Klein, effizient und inzwischen überall einsetzbar: Der Dieselmotor verbraucht im Vergleich zum Benzinmotor weniger Kraftstoff, ein Auto etwa kann mit Dieselkraftstoff bis zu 25 Prozent mehr Kilometer fahren als mit Benzin. Mit dem Aufkommen des Dieselmotors und weiterer Verbrennungsmotoren ging die Ära der Dampfmaschinen unwiederbringlich zu Ende, sein Erfinder und Namensgeber Rudolf Diesel wurde weltberühmt – und kam tragisch ums Leben.

Berufswunsch: Ingenieur

Diesel kommt in Paris als Sohn eines deutschstämmigen Buchbinders in Paris zur Welt. Mit 12 Jahren zieht er nach Augsburg und besucht die dortige Gewerbeschule, an der sein Onkel als Lehrer arbeitet. Dort fasst er den Entschluss, Ingenieur zu werden. Nach dem Studium an der Königlich-Bayerischen Technischen Hochschule in München steigt er bei der Eisfabrik Carl von Lindes in Paris ein und wird 1881 schließlich ihr Direktor. Parallel beginnt er, sich mit Verbrennungsmotoren zu beschäftigen: Dass Dampfmaschinen bloß einen Wirkungsgrad von maximal zehn Prozent besitzen,  hat ihn schon im Studium irritiert – und in ihm den Entschluss reifen lassen, eine Maschine zu konstruieren, die effektiver ist.

Tüftelarbeit über Jahre

Diesel macht sich auf die Suche nach Partnern und Investoren und wird bei der Firma Krupp fündig sowie bei der Maschinenfabrik Augsburg, der späteren MAN AG. Diesel bringt dort als Versuchsleiter in jahrelanger Kleinarbeit den von ihm entwickelten Motor zur Serienreife. Am 23. Februar 1893 erhält er das Patent für sein Konzept einer Verbrennungskraftmaschine mit hohem Wirkungsgrad, 1897 ist die Entwicklung des Diesel-Viertaktmotors abgeschlossen. Nach dessen Prinzip werden noch heute Motoren gebaut. Stolze 26,2 Prozent beträgt der Wirkungsgrad, der Motor ist kleiner und flexibler einsetzbar als eine schwere Dampfmaschine: 1903 sticht das erste Schiff mit Diesel-Motor in See, es folgen Fabriken, Kraftwerke, Lokomotiven, Luftschiffe und ab 1924 auch Automobile.

Genialer Erfinder, ungeschickter Geschäftsmann

Diesel erlebt noch seinen Ruhm, aber der Workaholic hat gesundheitliche Probleme und kein gutes Händchen fürs Geld: Patentstreitigkeiten zermürben ihn, die Produktion fehlerhafter Motoren und Reklamationen sorgen für sinkende Aktienkurse. Am 29. September 1913 kommt Diesel auf mysteriöse Weise zu Tode: Er ertrinkt auf einer Fährüberfahrt nach England. Während die einen von Selbstmord sprechen aufgrund der vielen Zinsverpflichtungen, vermuten andere, dass jemand den Erfinder aufgrund der wertvollen Patentrechte aus dem Verkehr ziehen wollte. Dem Siegeszug des Diesel-Motors tat dies keinen Abbruch. Bis heute überzeugt der niedrige Kraftstoffverbrauch der Maschine – und das trotz der im Vergleich zum Benzinmotor schädlicheren Emissionen, die nicht erst seit dem Abgas-Skandal bei VW in der Kritik stehen.

Rudolf Diesel
Einer früher Diesel-Motor aus dem Jahr 1902, zu sehen im Deutschen Museum in München, zu dessen Gründern Rudolf Diesel zählt.
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