Der wahre Erfinder des Automobils?

Carl Benz hat im Jahr 1886 in Mannheim das Automobil erfunden – oder? Bereits vor dem Patent-Motorwagen rollten vereinzelt Fahrzeuge auf den Straßen, die mit einem Motor angetrieben wurden und somit als „Kraftfahrzeug“ bezeichnet werden können. Allen voran machte bereits 1769 der  französische Artillerieoffizier Nicholas Joseph Cugnot von sich reden: Beauftragt vom Kriegsministerium in Paris, konstruierte er einen Dampfwagen, den „Fardier à vapeur“. Dieses Transportmittel für die Artillerie sollte vorrangig dazu dienen, Kanonen zügig an die Front zu bringen.

Schwierige Grundlagenforschung

Das dreirädrige Gefährt verfügte über zwei Zylinder, vor denen ein wuchtiger Dampfkessel angebracht war; es wog etwa vier Tonnen und kam auf eine Geschwindigkeit von etwa vier Stundenkilometern. Die erste öffentlichkeitswirksame Fahrt 1770 endete jedoch unrühmlich: In Anwesenheit hoher Militärs führte Cugnot das „Fardier à vapeur“ in einer Kaserne vor – da es jedoch sehr schwergängig war und zudem keine Bremse besaß, fuhr das Fahrzeug in eine Mauer. Schon wenig später verlor das Dampfwagen-Projekt an Fahrt und wurde eingemottet. Am Hof Ludwig XV. konnten sich Unterstützer Cugnots nicht durchsetzen, und die geringe Leistung bei gleichzeitig großem Gewicht ließ das Interesse an diesem Gefährt bereits erlahmen, bevor der Prototyp vollends entwickelt war. Im Jahr 1800 gelangte das Original-Fahrzeug an die Kunst- und Gewerbeschule Conservatoire National des Arts et des Métiers, wo es bis heute im gleichnamigen Museum ausgestellt ist. Ein Nachbau dieses Wagens ist zudem im Nürnberger DB Museum zu sehen – denn auch Eisenbahnhistoriker reklamieren den Dampfwagen für sich und interpretieren ihn als einen Vorläufer der Lokomotive.

Dampfmaschine vs. Verbrennungsmotor

In den 1870er und 80er Jahren experimentierten die Automobilpioniere mit unterschiedlichen Antriebstechnologien für Straßenfahrzeuge, und darunter befanden sich auch einige, die auf Dampfkraft setzten, wie etwa Amédée Bollée oder die Firma De Dion-Bouton. Letztendlich waren die Dampfautos gegenüber den Verbrennungsmotoren jedoch chancenlos: Während man bei einem mit Dampf betriebenen Wagen erst einmal das Wasser erhitzen musste, ließ sich das Automobil etwa aus dem Hause Benz einfach mit der Kurbel starten. Immerhin ein Detail hat die Dampf-Ära auf den Straßen bis heute überlebt: Der Chauffeur, was auf Französisch „Heizer“ bedeutet, ist heute der gängige Ausdruck für den Fahrer eines Wagens – und zwar ganz ohne dass es rauscht und zischt.

Eine Fahrt des Dampfwagens im Arsenal von Paris endete 1770 mit dem ersten Autounfall in der Geschichte.
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