Leider nicht in Serie: Felix Wankel und sein Wankelmotor

Er konstruierte ein neuartiges Antriebsaggrat für Motoren und hatte zeitlebens keinen Führerschein. Er hatte schlechte Noten in Mathe und Physik, kein Ingenieurstudium in der Tasche und zeichnete dennoch zahllose technische Skizzen und Entwürfe: Das Leben von Felix Wankel verlief alles andere als in geordneten Bahnen. Leidenschaft, Intuition und der Mut zum Umdenken erklären, wie er 30 Jahre an seiner Idee des Rotationskolbenmotors feilen konnte und heute als einer der wichtigsten Erfinder Deutschlands gilt.

Eigenstudium statt Schule

Felix Heinrich Wankel kam 1902 in Lahr als einziges Kind des Forstassessors Rudolf Wankel und Gerty Wankel zu Welt. Nachdem der Vater als Reserve-Offizier 1914 im ersten Weltkrieg fiel, zog Felix Wankel mit seiner Mutter nach Heidelberg, wo er das Gymnasium besuchte. Die Fächer Mathematik und Physik machten dem Jugendlichen schwer zu schaffen, so dass er 1921 die Schule abbrach und eine Lehre als Verlagskaufmann begann. Hier hatten es ihm vor allem Biographien bekannter Technikpioniere angetan, und als Leseratte konnte er sich schnell eigenes Wissen aneignen. Parallel richtete sich der damals 22-Jährige mit Freunden eine kleine Werkstatt ein, in der sie unter anderem ein dreirädriges, stromlinienförmiges Fahrzeug entwickelten. 1926 kam dann der entscheidende Einschnitt, aus seinem Hobby wurde endgültig sein Beruf: Nach einer Kündigung wurde Wankel Erfinder in Vollzeit. 

Rotation statt Hubkraft

Klein und leicht, unkompliziert und ruhig, und das sogar bei hohen Drehzahlen: Felix Wankel tüftelte 30 Jahre lang an einem Benzinmotor, der mit einem rotierenden Kolben arbeiten sollte. In den NSU-Motorenwerken aus Neckarsulm fand er einen Partner, der bereit war, dieser neuartigen Antriebsform eine Chance zu geben und die Entwicklungen auch zu finanzieren. 1963 der Durchbruch: Der erste PKW mit Wankelmotor kam auf den Markt, vier Jahre später folgte das berühmte Modell Ro 80, in dem sich der Erfinder auch selbst chauffieren ließ. Warum er sich nicht selbst ans Steuer setzte? Der Erfinder mit einer großen Liebe zum Automobil war extrem kurzsichtig. Er hatte aus diesem Grund keinen Führerschein!

Große Namen, wenig Erfolg

Sie alle klopften an: Daimler-Benz, Toyota und General Motors und andere Firmen statteten ihre Flugzeuge, Motorräder, selbst Kettensägen und Rasenmäher mit dem Wankel-Motor aus. Das war der Durchbruch für Felix Wankel. Langfristig gesehen ging die Erfolgsgeschichte des Motors allerdings nicht gut aus. Denn wegen des hohen Benzinverbrauchs, der relativ geringen Lebensdauer sowie im Kontext einer Autoindustrie, die sich letztendlich auf Hubkolbenmotoren festgelegt hatte, war der neuartige Antrieb zum Scheitern verurteilt.

Tüftler mit Herz

Trotz der Rückschläge blieb sich Felix Wankel immer treu und scheute keine Auseinandersetzung. 1933 kam er beispielsweise für sechs Monate in Haft, weil er einen Parteikollegen der Korruption beschuldigt hatte und selbst zuvor aus der NSDAP ausgetreten war. Nur mit Unterstützung von Förderern kam der Erfinder wieder auf freien Fuß. Erfinderisch gab sich Felix Wankel nicht nur im technisch-wissenschaftlichen Bereich: So gründete er 1970 die Felix-Wankel-Stiftung für  Umwelt- und Tierschutz sowie einen Krebshilfefonds. 1984 wurde bei dem damals 82-jährigen Prostatakrebs diagnostiziert, vier Jahre später starb er daran.

Felix Wankel im TECHNOSEUM

Auf der Ebene F ist ein NSU Ro 80 mit Rotationskolbenmotor aus dem Baujahr 1970 ausgestellt.

Felix Wankel mit seinem Rotationskolbenmotor
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