Tüftler aus dem Taunus

Carl Benz und Gottlieb Daimler verwendeten für ihre ersten Automobile den Ottomotor. Hinter der Erfindung dieses Motors steht nicht zuletzt ein außergewöhnlicher Autodidakt: Geboren 1832 in Holzhausen im Taunus, besaß Nikolaus August Otto keinerlei technische Ausbildung, geschweige denn ein Hochschulstudium. Der Bauernsohn verdiente seinen Lebensunterhalt vielmehr als Kaufmann. Einen Großteil seines Einkommens steckte er jedoch in seine große Leidenschaft: den Maschinenbau. Mitte des 19. Jahrhunderts waren Dampfmaschinen die treibende Kraft der Industrialisierung, aber man versuchte bereits Antriebsmaschinen zu entwickeln, die kleiner waren und einen höheren Wirkungsgrad hatten. So erfand beispielsweise der Luxemburger Ingenieur J. Etienne Lenoir 1860 einen stationären Motor, der mit Leuchtgas betrieben wurde. Die Leistung war gering, aber Otto war fasziniert und wollte den Lenoir-Motor weiterentwickeln: Schließlich war Leuchtgas, das zu dieser Zeit erstmals in großem Stil eingesetzt wurde, um Straßen und Wohnungen zu erhellen, billiger und weniger aufwändig herzustellen als in Kesseln erzeugter heißer Wasserdampf für Dampfmaschinen.

Mehr Leistung durch Verdichtung

Nach jahrelangem Tüfteln präsentierte Otto 1867 auf der Weltausstellung in Paris schließlich einen von ihm entwickelten Gasmotor: Da der Treibstoff nach dem Ansaugen im Zylinder nicht sofort gezündet, sondern mit einer Kolbenbewegung zunächst verdichtet wurde, hat Ottos Motor eine deutlich höhere Leistung und verbrauchte im Vergleich zu allen anderen damals bekannten Motoren nur ein Drittel des Kraftstoffs. Die Erfindung wurde deshalb in Paris prompt mit der Goldmedaille ausgezeichnet und sorgte international für Aufsehen. Ein Jahr später ging dieser Motor in Serie, und zwar in Köln bei „N.A. Otto & Cie.“, der weltweit ersten Motorenfabrik, die der Erfinder drei Jahre zuvor gegründet hatte. Die Firma wurde 1872 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und hieß fortan „Gasmotorenfabrik Deutz“ – und ist als Deutz AG auch heute noch ein börsennotierter Motorenhersteller.

Der Motor wird mobil

1876 schließlich meldete Otto einen Viertakt-Gasmotor zum Patent an, der als Ottomotor in die Geschichte eingehen sollte. 1884 schließlich entwickelte Otto die elektrische Zündung, dank der der Treibstoff Gas durch Benzin ersetzt werden konnte: Dieser Motor war fortan sowohl stationär als auch mobil einsetzbar und bildet die Grundlage für den Bau von Verbrennungsmotoren bis heute. Nicht zuletzt waren es der Werksleiter in Ottos Motorenfabrik in Köln-Deutz, Gottlieb Daimler, und sein Konstrukteur, Wilhelm Maybach, die mit dem Einsatz dieses Motors auf Fahrzeugen experimentierten und so als Automobilpioniere den Ottomotor auf die Straßen brachten. Etwa 75 Prozent der Kraftfahrzeuge in Deutschland fahren heute mit Ottomotor – und auch in zahlreichen Motorrädern, Booten, Rasenmähern und anderen Maschinen tut er zuverlässig seinen Dienst.

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