Im Duo zum Erfolg: Carl und Bertha Benz und der Patentmotorwagen

Die Erfindung des Automobils hat die Welt wirtschaftlich, sozial und kulturell verändert. 5,7 Millionen Personenkraftwagen wurden laut Experten 2015 in Deutschland produziert – Tendenz steigend. 2016 wurde das Automobil stolze 130 Jahre alt: Am 29. Januar 1886 meldete der Ingenieur Carl Benz ein dreirädriges Fahrzeug mit Verbrennungsmotor zum Patent an. Bis es dazu kam, erlebte der Erfinder allerdings etliche Höhen und Tiefen.

Technische Basis

Im November 1844 im Karlsruher Stadtteil Mühlburg geboren, musste Carl Friedrich Benz schon als Zweijähriger den Tod seines Vaters, eines Lokomotivführers, verkraften. Die Mutter zog ihn alleine groß und kümmerte sich um eine Schulbildung. 1860, mit 15 Jahren, bestand Benz die Aufnahmeprüfung an der Polytechnischen Hochschule in Karlsruhe und schloss sein Maschinenbau-Studium vier Jahre später erfolgreich ab. Anschließend ging es praktisch für ihn weiter: Zwei Jahre arbeitete er bei der Karlsruher Maschinenfabrik als Schlosser bevor er als Zeichner und Konstrukteur in einer Mannheimer Firma begann.

Wichtigste Stütze Bertha Benz

Privat wurde das Jahr 1870 zu einem Schicksalsjahr: Seine Mutter verstarb. Im gleichen Jahr lernte der 26-Jährige auch seine zukünftige Frau, Bertha Ringer, Tochter des Bauherren Carl Friedrich Ringer, kennen und lieben. Sie wurde in den kommenden Jahren seine wichtigste Förderin und Begleiterin. Nachdem nämlich sein Partner, der Mechaniker August Ritter, aus dem gemeinsamen Unternehmen „Carl Benz und August Ritter, mechanische Werkstätte“ in Mannheim ausgestiegen war, musste Benz sowohl Geschäftsanteile als auch Grundstücksanteile an Ritter zahlen. Seine Verlobte Bertha ließ sich kurzerhand von ihrem Vater ihre Mitgift und Teile ihres Erbes auszahlen und finanzierte so das neue Unternehmen. Im Juli 1872 heirateten die beiden. Später schreibt Benz in seinen Memoiren: „Nur ein Mensch harrte in diesen Tagen, wo es dem Untergange entgegen ging, neben mir im Lebensschifflein aus. Das war meine Frau. Tapfer und mutig hisste sie neue Segel der Hoffnung auf.“

Von vier Beinen auf drei Räder

Mit seinem Unternehmen, der „Carl Benz Eisengießerei und mechanische Werkstätte“, ging es für den Ingenieur aber nur schleppend voran. 1877 musste er sogar sein ganzes Firmeninventar aufgrund finanzieller Schwierigkeiten versteigern. Um für seine Familie mit inzwischen drei Kindern die Existenz zu sichern, begann er mit der Konstruktion eines Zweitakt-Motors. Dieser lief in der Silvesternacht 1879 zum ersten Mal und auch Geldgeber dafür waren schnell wieder gefunden - mit denen überwarf sich Benz aber wieder und tat sich 1883 mit dem Kaufmann Max Kasper Rose und dem Techniker Friedrich Wilhelm Esslinger zusammen, um in Mannheim die „Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik“ zu gründen. Hier entstand 1885 sein größter Coup: Der Benz Patent-Motorwagen 1, das erste Benzinauto mit einem 1-Zylinger-Viertakt-Verbrennungsmotor und elektrischer Zündung auf drei Rädern. Die ersten Probefahrten fanden noch im Geheimen im Hof der eigenen Fabrik statt, Testfahrten auf freier Strecke wurden nur nachts gemacht und dauerten überdies nur wenige Minuten:  Die Reichweite betrug nur etwa hundert Meter und konnte erst nach und nach optimiert und gesteigert werden.

Geburtsstunde des Automobils

Am 29. Januar 1886 erhielt der Pionier durch das kaiserliche Patentamt unter der Nummer 37435 das Patent auf diesen ersten brauchbaren Motorwagen - die Geburtsstunde des Autos. Am 3. Juli desselben Jahres führte Benz die erste öffentliche Probefahrt auf der Ringstraße in Mannheim durch; sein Sohn Eugen musste mit einer Flasche Benzin nebenher laufen, um entsprechend Kraftstoff nachschütten zu können. Denn auf 100 km verbrauchte der Wagen bis zu zehn Litern Benzin und erreichte 16 km pro Stunde. Mit der Leistung von knapp einer Pferdestärke veränderte Carl Benz so die Mobilität der Menschheit für immer.


Der 81-jährige Carl Benz auf dem Patent-Motorwagen, Bertha Benz steht daneben. Bild: www.zeno.org - Zenodot Verlagsgesellschaft mbH

BENZ im TECHNOSEUM

Ein Modell des Benz-Patentmotorwagens ist auch als Teil der Dauerausstellung im TECHNOSEUM zu sehen. In Zusammenhang mit der Schenkung verschiedenster Objekte des berühmten Erfinders, die das Museum Anfang Januar 2016 erreichte, werden diese gemeinsam mit dem Patentwagen bei der Neuaufstellung der Ausstellung zur Geschichte des Automobilbaus voraussichtlich im Frühjahr 2017 für alle Besucherinnen und Besucher zu sehen sein. 

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