Die Erfindung des Automobils hat die Welt wirtschaftlich, sozial und kulturell verändert. 5,7 Millionen Personenkraftwagen wurden 2015 in Deutschland produziert – Tendenz steigend. 2016 wurde das Automobil stolze 130 Jahre alt – Grund genug, hier Geschichten der Erfinder und Marken zu erzählen.

Das Auto für alle

Sein Name steht wie kein anderer für die Autoindustrie: Henry Ford, geboren 1863 als Sohn eines Farmers in der Nähe von Detroit im US-Bundesstaat Michigan, etabliert die Fließbandfertigung in der Autoindustrie. Mit ihr wird das Auto, bisher ein Fahrzeug betuchter Herrschaften, zu einem erschwinglichen Massenartikel, der den Straßenverkehr und das Leben vieler Menschen bis heute prägt. Seine Inspiration für die „moving assembly line“ holt sich der US-Amerikaner übrigens beim Besuch eines Schlachthofs, wo die getöteten Tiere an Förderbänder gehängt und von Metzger zu Metzger geschoben werden, um sukzessive zerteilt zu werden. Nach diesem Schlachthof-Prinzip werden in der Fabrik von Ford alsbald Autos zusammengebaut.

Selfmademan vom Lande

Mit 16 Jahren zieht es Ford nach Detroit, wo er sich zum Maschinisten ausbilden lässt, unter anderem bei der Westinghouse Electric Company. Ab 1891 arbeitet er dort in der Firma des Erfinders Thomas Alva Edison, parallel dazu tüftelt er an einem Automobil. 1903 macht er sich mit der „Ford Motor Company“ selbständig. Mit dem fünf Jahre später entwickelten Model T wird der Unternehmer berühmt: Das Fahrzeug gilt als zuverlässig und effizient, es gewinnt sogar ein Rennen „von Küste zu Küste“, damals noch eine enorme Belastungsprobe für Fahrer und Technik. Die Nachfrage nach dem Wagen steigt, und Ford überlegt, wie er den Herstellungsprozess dieses Autos optimieren kann.

Ein fertiges Auto nach 93 Minuten

Im Jahr 1913 stellt Ford seine Fabrik auf die Fließbandfertigung um: Auf einem Förderband werden die Autokarosserien an einzelnen Stationen vorbeibewegt, an denen die Arbeiter die verschiedenen Autoteile einsetzten. Jeder Einzelne führt somit nur noch wenige Handgriffe aus, der Produktionsvorgang beschleunigt sich – ein Ford Model T ist auf diese Weise zuletzt schon nach 93 Minuten fertig. Erhältlich ist der Wagen zudem lediglich in Schwarz, denn: Schwarzer Lack trocknet auf der Karosserie besonders schnell und spart somit ebenfalls Zeit. Kostet das Fahrzeug 1908 noch 850 US-Dollar, sinkt der Preis aufgrund der Fließbandfertigung innerhalb weniger Jahre auf 300. Das macht dieses Auto selbst für die Arbeiter erschwinglich, die in Fords eigener Fabrik tätig sind. 1925 ist bereits jedes zweite Auto, das über US-amerikanische Straßen rollt, ein Ford Model T. Etwa 15 Millionen Fahrzeuge dieses Typs werden insgesamt verkauft. Erst 1972 löst der VW Käfer das Erfolgsmodell aus dem Hause Ford als das meistverkaufte Auto der Welt ab.

Als Hochzeit bezeichnete Ford die Zusammenführung von Karosserie und Fahrgestell bei einem Wagen. Hier eine Installation, die ab März 2017 im TECHNOSEUM zu sehen ist. Bildquelle: Ford-Werke GmbH Köln
Henry Ford im Alter von 56 Jahren.
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