Eine zündende Idee

Nikolaus August Otto und Rudolf Diesel entwickelten die bis heute gängigen Verbrennungsmotoren, die Autos mit einem Gemisch aus Kraftstoff und Luft antreiben. Diese Mischung muss entzündet werden, damit der Motor startet – ein Thema, das viele Automobilpioniere Ende des 19. Jahrhunderts Kopfzerbrechen bereitete: So verfügte die von Gottlieb Daimler erfundene Glührohrzündung über eine offene Flamme, die das Autofahren brandgefährlich machte. Wilhelm Maybach ging deshalb davon aus, dass jedes Automobil mit Glührohrzündung irgendwann einmal abbrennen würde. Bezeichnend ist auch, dass in dieser Zeit Autofahrer in Frankreich einander „Gute Zündung“ („bon allumage“) wünschten, und nicht etwa „Gute Fahrt“.

Vom stationären zum mobilen Einsatz

Die entscheidende Lösung für dieses „Problem der Probleme“, wie Carl Benz das Tüfteln an der Zündung einmal bezeichnete, lieferte Robert Bosch: 1887 entwickelte der Schwabe eine Magnetzündung, die zuerst bei stationären Gasmotoren zum Einsatz kam. Das Besondere: Der zündende Funke im Motorraum wurde durch eine Unterbrechung des Stromkreises hervorgerufen. Zehn Jahre später wurde diese Zündung erfolgreich für einen Kraftfahrzeugmotor adaptiert und der Apparat auf ein Motordreirad der Marke De Dion-Bouton montiert. Bis zur Jahrhundertwende wurden 15.000 Exemplare dieses Modells verkauft, es war in dieser Zeit das erfolgreichste Motorfahrzeug in Europa und trug entscheidend zum Durchbruch und der Verbreitung von Kraftfahrzeugen bei. Anfang des 20. Jahrhunderts verbesserte Bosch die Magnetzündung noch einmal, indem der Funkenübersprung durch Hochspannungsstrom zwischen zwei Elektroden einer Zündkerze erfolgte. Dieses neue System lieferte er 1902 an den ersten Kunden, die Daimler-Motorengesellschaft, aus.

Billiger mit Batterie

Bis 1930 war die Magnetzündung Standard, dann würde sie durch kostengünstigere Systeme mit Batteriezündung abgelöst. Für die spätere Robert Bosch GmbH bildete die Entwicklung der Magnetzündung den Grundstein für den Aufbau einer Firma mit heute weltweit über 370.000 Mitarbeitern, die nach wie vor wichtiger Zulieferer für die Automobilindustrie ist – auch moderne Einspritzsysteme, die den Einspritzvorgang und die Zündung in einem Gerät vereinen, gehören zur Produktpalette. Nicht zuletzt ist der charakteristische Doppel-T-Anker, einst der Kern der Magnetzündung, bis heute das Logo des Unternehmens.

Robert Bosch im Alter von 27 Jahren; Bild: Wikimedia Commons

Das De Dion-Bouton-Motordreirad von 1897 war seinerzeit ein echter Verkaufsschlager – hier wird ein noch funktionsfähiges Exemplar näher vorgestellt.

printSeite Empfehlen