Ein Unternehmen macht mobil: Die Geschichte der NSU-Werke

Von der Strickmaschine über das größten Zweirad bis hin zum Automobil: Die NSU Motorenwerke haben eine bewegte Firmengeschichte.

Innovativer Schwenk

Am Anfang der späteren NSU-Werke stand die „Mechanische Werkstätte zur Herstellung von Strickmaschinen“. Christian Schmidt und Heinrich Stoll gründeten sie zusammen in Riedlingen an der Donau im Jahr 1873. Sechs Jahre später verlegte das Unternehmen seinen Hauptsitz nach Neckarsulm, um zu expandieren. 39-jährig verstarb 1884 allerdings Firmenchef Christian Schmid; die Nachfolge übernahm sein Schwager Gottlob Banzhaf. Und der „Neue“ war innovativ. Er entschied zwei Jahre später, von Strickmaschinen auf Räder umzustellen. In diesem Bereich sah er weitaus mehr rentable Geschäfte. Und er behielt Recht.

Räder in Serie

Mit dem Hochrad „Germania“ erzielte das Unternehmen seine ersten Verkaufserfolge. Ab diesem Zeitpunkt setzte man voll auf das Fahrrad, denn als das Hochrad wieder aus der Mode kam und die ersten Sicherheitsräder aufkamen, gingen Banzhaf und Stoll in die Serienfertigung. Die Umbenennung des Unternehmens in die NSU – drei Buchstaben, die der Stadt Neckarsulm entnommen waren – begründete 1892 zugleich auch die neue Marke.

Rad – Motorrad – Auto

NSU war am Puls der Zeit und stand zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit einer neuen Idee in den Startlöchern: Ab 1901 startete die Motorrad-Produktion. Das erste Modell war das „Neckarsulmer Motorrad“ mit einer Spitzengeschwindigkeit von rund 40 Stundenkilometern;  Folgemodelle hießen dann ab 1904/05 einfach N.S.U. Etwa zum gleichen Zeitpunkt müssen die Überlegungen schon in Richtung Automobil gegangen sein. Kein Wunder, hatte NSU doch die Fahrgestelle für den Stahlradwagen von Gottlieb Daimler gefertigt. 1906 schließlich präsentierte man die eigene Konstruktion: den „Original Neckarsulmer Motorwagen“.

Erfolg auf ganzer Linie

Die NSU Werke expandierten. 1911 war das Unternehmen für die Hälfte des deutschen Gesamtexports an Motorrädern verantwortlich und absoluter Markführer. Den Ausbruch des Ersten Weltkrieges nutzte das Unternehmen und wurde einer der Hauptlieferanten für das Deutsche Kaiserreich. Motorräder wurden erstmals in größerer Zahl vom Militär als Transportmittel und Meldefahrzeug eingesetzt, und das robuste 3,5-PS-Modell von NSU war überaus attraktiv. Schon bald produzierte die Neckarsulmer Fabrik ausschließlich für das Militär. Im Jahr 1915 erschien sogar ein besonderes „Heeresmodell", verstärkt und vereinfacht für den Dienst im Feld.

Aus fürs Auto

Die Weltwirtschaftskrise brachte allerdings 1929/30 das Aus für die Automobilproduktion und eine Renaissance des Motorrads, befeuert auch durch den Rennsport. Die NS-Regierung war Kunde von NSU - für sie sollte ein Volksmotorrad entwickelt werden. Im 2. Weltkrieg wurde NSU wieder hauptsächlich Lieferant von Rüstungsgütern und Militärmotorrädern und damit auch zum Angriffsziel der Alliierten. 1945 wurde das Werk in Neckarsulm zerbombt.

NSU kommt ins Straucheln

Das Moped „Quickly“ und die Roller „Lambretta“ und „Prima“: Nach den Kriegsjahren knüpfte NSU an alte Erfolge beim Motorrad an und wurde Mitte der 1950er Jahre zum größten Zweiradhersteller der Welt. 1957 lief erstmals wieder ein Auto vom Band: Der Prinz eroberte den Markt und NSU gab die Zweiradbranche wieder auf, um sich in den Folgejahren ganz dem Spider mit Wankel-Motor und dem RO 80, dem Designwunder der 1960er Jahre schlechthin, zu widmen. Weil aber das Wankelprinzip wegen Verdichtungsproblemen an den Kolbenspitzen und hohen Kraftstoffverbrauchs stark in die Kritik kam, geriet auch NSU ins Straucheln. Nur eine Fusion mit Audi verhinderte schließlich noch die Werksschließung 1969.

Die Firma NSU leistete Pionierarbeit bei der Einführung der Fließbandarbeit in der Produktion.
Ein offenes NSU-Fahrzeug; wann die Aufnahme entstanden ist, ist unbekannt.
Der NSU Quickly aus dem Jahr 1955.
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