Der Konstrukteur Wilhelm Maybach

Die Erfindung des Automobils hat die Welt wirtschaftlich, sozial und kulturell verändert. 5,7 Millionen Personenkraftwagen wurden 2015 in Deutschland produziert – Tendenz steigend. 2016 wurde das Automobil stolze 130 Jahre alt – Grund genug, hier Geschichten der Erfinder und Marken zu erzählen.

Carl Benz und Gottlieb Daimler gelten als die Autopioniere schlechthin. Immer in ihrem Schatten stand Wilhelm Maybach, kongenialer Weggefährte und Entwickler des ersten Mercedes. Dabei war der Schwabe ein großer Konstrukteur, dessen Erfindungen nicht nur der Automobilindustrie wichtige Impulse gaben.

Treuer Weggefährte

Maybach hat keinen einfachen Start ins Leben: Mit zehn Jahren ist er Vollwaise und wächst ab 1856 im Bruderhaus in Reutlingen auf. Dem Waisenhaus angeschlossen ist eine Maschinenfabrik, in der die Jugendlichen ausgebildet werden und so eine berufliche Perspektive bekommen. Maybach wird technischer Zeichner, und sein großes Talent fällt bald dem Leiter der Maschinenfabrik auf: Gottlieb Daimler. 1869 folgt Maybach seinem Mentor Daimler zur Maschinenbau-Gesellschaft in Karlsruhe und drei Jahre später zur Gasmotorenfabrik Deutz in Köln. 1882 schließlich scheidet Daimler bei der Firma aus und tüftelt fortan im Gartenhaus seiner Cannstatter Villa an eigenen Erfindungen. Ihn interessiert vor allem die Entwicklung eines leichten und schnelllaufenden Motors, der in Fahrzeugen zu Lande, zu Wasser und in der Luft einsetzbar ist. Ihm dabei zur Seite steht erneut Maybach, der Daimler auch nach Cannstatt gefolgt ist.

Erfinder und Konstrukteur

Daimler und Maybach probieren den von ihnen entwickelten Motor 1883 zuerst mit einem hölzernen Reitrad aus, dann installieren sie ihn in einer Kutsche. Bei der bald gegründeten Daimler-Motoren-Gesellschaft arbeitet Maybach ab 1895 als Technischer Direktor, erfindet dort unter anderem den Vierzylindermotor, den Bienenwabenkühler und das Zahnradgetriebe. Seinen größten Erfolg feiert er ein Jahr nach Daimlers Tod: 1901 stellt er einen Rennwagen aus Leichtmetall vor, den ersten Mercedes. Das Fahrzeug hebt sich deutlich von den bisherigen kutschenartigen Gefährten ab und gilt schon damals als das Auto der Zukunft.

Maybach wird zur Marke

Nach Daimlers Tod verliert Maybach an Einfluss in der Firma und verlässt diese 1907. Er beginnt mit dem Bau von Luftschiffmotoren für Ferdinand Graf Zeppelin. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wird in Deutschland der Bau dieser Motoren verboten, deshalb besinnt sich Maybach auf seine Wurzeln und konstruiert wieder Autos – und zwar ausschließlich Luxus-Limousinen. 1929 stirbt Maybach. Die von ihm gegründete Firma wird 1960 von der Daimler AG aufgekauft. Bis heute steht Maybach für exklusives und teures Fahrgefühl beim Daimler-Konzern – und beide Marken sind so eng miteinander verbunden, wie es ihre beiden Namensgeber zu Lebzeiten waren.

Wilhelm Maybach um 1900.
Wegweisend: Der von Maybach entwickelte Mercedes, hier das Folgemodell mit 40 PS aus dem Jahr 1902. Bildquelle: Daimler AG
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