
Schönheitsideale sind natürlich kein neues Phänomen. Jede Zeit und jede Kultur hat ihr eigenes Schönheitsideal. Verhältnismäßig neu ist die Gleichsetzung von Schönheit und extremer Schlankheit. Ebenfalls neu ist der Machbarkeitswahn: Uns wird suggeriert, dass Schönheit bis ins hohe Alter hinein machbar sei: Durch exzessiven Sport, durch Diäten, durch Schönheitsoperationen, die noch nicht einmal vor dem Genitalbereich halt machen...
Bei Frauen gelten ein schmales Gesicht, eine schmale Nase, hohe Wangenknochen, volle Lippen und lange dunkle Wimpern als „schön“. Für mich liegt Schönheit immer noch im Auge des Betrachters.
Essstörungen sind immer multifaktoriell bedingt. Das bedeutet: Es müssen viele Auslöser zusammenkommen. Risikofaktoren für die Entstehung von Essstörungen sind: Das weibliche Geschlecht, Gewichtssorgen, ein negatives Körperbild, geringe soziale Unterstützung und Diäten.
Bei Menschen mit Magersucht wird das Hungern zur Sucht: Die Menschen hungern immer weiter und nehmen nicht mehr wahr, dass sie sich – im schlimmsten Fall – zu Tode hungern. Menschen mit Bulimie sind oft normalgewichtig, leiden aber unter regelmäßigen Essattacken, bei denen oft Unmengen an Lebensmitteln verschlungen und im Anschluss wieder erbrochen werden. Esssucht gilt strenggenommen nicht als anerkannte Essstörung. Ich verstehe unter einer Esssucht einen inneren Zwang zum Essen. Die Betroffenen essen wesentlich mehr als ihnen gut tut und sind deshalb meist übergewichtig.
Ich glaube, dass Frauen heute einem immensen Druck ausgesetzt sind: Von ihnen wird erwartet, dass sie in allen Lebensbereichen gut sind – Frauen sollen Leistung erbringen, Familie und Beruf vereinbaren, eine gute Frau, Mutter, Kollegin sein. Und bei allem sollen sie natürlich phantastisch aussehen...
Ein anderer Aspekt ist sicher das Schönheitsideal: Das extreme Schlankheitsdiktat galt über lange Zeit vor allem für Frauen. Dies ändert sich zurzeit. Auch Männer unterliegen einem großen Druck: Sie sollen schlank, sportlich und muskulös sein. Ob dies zu einem weiteren Ansteigen von Essstörungen bei Männern führt, wird man sehen.
Warnzeichen sind zum Beispiel Gewichtssorgen, Gewichtsverlust, übertriebene Beschäftigung mit dem Essen, exzessives Sporttreiben und sozialer Rückzug.
Ein gutes Selbstbewusstsein hilft uns in allen Lebensbereichen. Eltern können viel dafür tun, dass ihre Kinder mit sich selbst zufrieden sind.
Wichtig sind auch positive Vorbilder: Essen soll Spaß machen und uns gut tun!
Am Mi, 25. April 2012, ab 18 Uhr, hält Katrin Raabe im TECHNOSEUM einen Vortrag über den Schönheitsstress im Wandel der Zeit. Mittels einer medialen Zeitreise durch die Schönheitsideale der vergangenen Jahrhunderte, zeigt sie, dass vor allem Frauen viel auf sich nehmen, um den oft unerfüllbaren Normen zu genügen.
Der Eintritt ist frei.
Im Anschluss an den Vortrag steht Katrin Raabe für Fragen rund um das Thema Essstörungen unter www.facebook.com/technoseum im Chat zur Verfügung.
Vom Sinn und Unsinn der Nahrungsmittelergänzung
Zum Interview mit Prof. Dr. Bernhard Watzl