Von Hellas nach Heidelberg

Konstantinos Athanasiou hat das Informatikstudium gegen die Arbeit in einem Museum und seine sonnige Heimat gegen das kühle Deutschland getauscht – und sich dabei immer konsequent dafür entschieden, das Beste aus der Situation zu machen

Deutschland hat Konstantinos Athanasiou schon geprägt, als er in seiner Heimatstadt Athen aufwuchs: Bereits in der Grundschule lernte er die deutsche Sprache und bestand dann auch die Aufnahmeprüfung für die Deutsche Schule Athen. Dort legte er gleich zweimal das Abitur ab, nämlich ein griechisches und ein deutsches. Nach einem Studium als Geburtshelfer entschloss er sich im Jahr 2001, nach Deutschland zu gehen. „Dort wollte ich Medizin studieren. Dass meine Schwester bereits in Heidelberg lebte und ich dort nicht allein sein würde, machte mir die Entscheidung einfacher. Allerdings war dieses Studium nichts für mich, und so bin ich zum Fach Informatik gewechselt.“

Das Geld für seinen Lebensunterhalt verdient sich Athanasiou selbst – zumal er auch spätestens seit Beginn der Finanzkrise seinen Eltern nicht mehr auf der Tasche liegen möchte. Deshalb bewarb er sich bei der WWS Kurt Strube GmbH, einer Dienstleistungsfirma, die auch Mitarbeiter am TECHNOSEUM beschäftigt. Im Mannheimer Museum wird Athanasiou seit 2012 eingesetzt: Dort ist er mal als TECHNOscout, mal als Medientechniker und oft auch in der Leitzentrale im Einsatz. Er hat hierfür einschlägige Fortbildungen belegt und ist bis zum stellvertretenden Objektleiter aufgestiegen. Seminare und Vorlesungen an der Universität traten dabei in den Hintergrund. „Mit geht es gut mit meiner Arbeit, aber ich will mein Studium unbedingt noch zu Ende bringen. Mir fehlen noch zwei Jahre, und ich überlege derzeit, ob ich dafür ein Fernstudium in Angriff nehme.“

Nach Griechenland will der 35-Jährige nicht zurück: So sehr er auch die Sonne mitunter vermisst, so sehr schätzt er die Arbeitsorganisation in Deutschland und den vergleichsweise geordneten Straßenverkehr. Außerdem lebt auch seine Schwester noch immer in der Nähe, und zwar in der Pfalz, mit griechischem Ehemann und drei Kindern. Wegen der Enkel sind auch die Eltern aus Athen oft zu Besuch, so dass die Familie nah ist, Heimweh gar nicht erst aufkommt.

In seiner Freizeit geht Athanasiou dreimal pro Woche zum Bogenschießen: Beim Kraichgauer Bogenschützenverein in Bad Schönborn haben er und seine Freundin zuerst an einem Schnupperkurs teilgenommen und sind seitdem begeistert dabei. „Man trainiert die Muskeln, gleichzeitig muss man sich gut konzentrieren und auch entspannen können – das ist für mich wie Meditation. Außerdem bin ich viel draußen, und das Vereinsleben bringt es ja auch mit sich, das man unter Menschen ist. Beides genieße ich sehr.“

Konstantinos Athanasiou (35), Heidelberg
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